Gespräch mit Michael Rünz (CEO, Deloro Group) Deutsch-französische Zusammenarbeit und internationale Ausrichtung in der Industrie

Die Deloro Group ist ein mittelständisches Industrieunternehmen (600 Mitarbeiter und 100 Millionen € Umsatz) mit Hauptsitz in Koblenz. Seine Fabriken sind in Deutschland, Italien und der Schweiz. Es stellt hochspezialisierte Werkstücke (Komponenten) für Industrieanlagen her. Diese werden vor allem in der energieerzeugenden Industrie, der Öl-und Gasförderung sowie der chemischen und pharmazeutischen Industrie eingesetzt. Seit einigen Monaten besteht ein Kooperationsprojekt zwischen der Deloro Group und französischen mittelständischen Unternehmen im Nuklearbereich.

Michael Rünz ist Vorstandsvorsitzender dieser Industriegruppe und somit verantwortlich für Unternehmensstrategie und operative Entwicklung.

Das Gespräch wurde von Annette Nogarède, Mitglied des Réseau Abibac, geführt.

Annette Nogarède : Für unsere Leser sind die Fragen der Ausbildung und der Möglichkeit zum beruflichen Einstieg sehr wichtig. Die Ausbildungssysteme in Frankreich und Deutschland sind zum Teil sehr unterschiedlich, in Deutschland nimmt die duale Ausbildung einen sehr wichtigen Platz ein. Könnten Sie uns vor diesem Hintergrund Ihren persönlichen Werdegang darstellen ?

Michael Rünz : Ich habe selbst nach dem Abitur eine duale Ausbildung von 3 Jahren gemacht, oder, genauer gesagt, zwei parallele Berufsausbildungen, nämlich zum Industriekaufmann und zum Fremdsprachenkorrespondenten. Daneben habe ich an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Betriebswirtschaft studiert. Während dieser Zeit habe ich bereits bei der Deloro Group (damals Deloro Stellite) gearbeitet. Im dritten Ausbildungsjahr war ich ganztägig im Unternehmen, und die theoretischen Kurse fanden am Freitag und am Samstag statt.

Nach dem Abschluss meines Studiums war ich zunächst ein Jahr lang bei Bose im Vertrieb für Geschäftskunden (Architekten, Ausstatter von Ladenketten) tätig. Dann bin ich zur Deloro Group zurückgekehrt, um den Vertrieb in Asien zu betreuen.

Ende der 1990er Jahre kaufte die Deloro Group ein französisches Unternehmen (ATS France SA). Aufgrund meiner Französischkenntnisse wurde ich ausgewählt, ATS in die Gruppe zu integrieren. Von 2001 bis 2006 war ich Generaldirektor dieses Unternehmens und lebte in Frankreich (Nimes). 2006 kehrte ich nach Koblenz zurück, um dort die Fabrik der Deloro Group zu leiten. Seit 2015 bin ich Vorstandsvorsitzender der Gruppe.

A. N. : Welche Bedeutung haben also Frankreich und die französische Sprache für Sie ?

M. R. : Meine Französischkenntnisse waren sehr wichtig für meine Karriere, denn sie haben mir erlaubt, Posten mit größerer Verantwortung und Eigenständigkeit zu übernehmen. Außerdem hat der französische Markt eine große Bedeutung für uns. Wir haben dort viele Kunden und Zulieferer, mit denen ich ständig in Kontakt stehe. Außerdem habe ich dort einen persönlichen Freundeskreis. Meine Beziehungen zu Frankreich sind also sowohl geschäftlich als auch privat sehr eng.

A. N. : Welches besondere Know-how besitzt Ihre Firma, und welche Kompetenzen müssen Ihre Mitarbeiter haben ?

M. R. : Die Deloro Group ist auf anspruchsvolle metallische Verschleiß- und Korrosionslösungen spezialisiert. Die Lösungen umfassen aus Speziallegierungen gegossene Komponenten, beschichtete Werkstücke sowie pulvermetallurgisch hergestellte Bauteile. Wir beschäftigen sowohl Ingenieure verschiedenster Fachrichtungen als auch Betriebswirte für die Organisation der Produktion, das Management sowie den Ein-und Verkauf. In unseren Fabriken sind überwiegend qualifizierte Facharbeiter wie z.B. Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker oder Modellbauer tätig.

Unsere Mitarbeiter benötigen ein gutes Verständnis für Verschleißprozesse und Prozesstechnologie. Sie müssen Kenntnisse in Gießerei und Beschichtung haben. Für unsere Kunden ermitteln wir, welche unserer Speziallegierungen für die kundenspezifische Anwendung am besten geeignet sind und ermitteln passende Produktionsverfahren.

Oft kommen Firmen mit bestimmten Problemstellungen zu uns, und wir entwickeln maßgeschneiderte Werkstücke oder Komponenten für sie, wie z.B. Schneidmesser für die Verpackungsindustrie., Ventilkomponenten für Hochdruck oder hoch korrosive Medien und vieles mehr. Die Widerstandsfähigkeit steht dabei im Mittelpunkt.

A. N. : Sie haben uns gesagt, dass die Deloro Group ein neues Kooperationsprojekt mit Frankreich im Nuklerarbereich begonnen hat. Worum geht es dabei genau ?

M. R. : Frankreich ist nach wie vor Marktführer im Bereich der nuklearen Stromerzeugung und hat das beste technologische Know-how. Seit einigen Jahren erlebt dieser Sektor eine Renaissance, weil neue Großprojekte im Bau oder in der Entwicklung sind, wie z.B. in Großbritannien (Hinkley Point) oder in China.

Außerdem müssen die alten Atomkraftwerke, besonders in Frankreich, überholt und den modernen Sicherheitsnormen angepasst werden. Der Plan « Grand Carénage » von EDF sieht vor, die Laufzeit der Atomkraftwerke von 40 auf 60 Jahre zu erhöhen, was Investitionen von etwa 55 Milliarden Euro bis 2025 bedeutet.

Der Markt ist also in einer dynamischen Entwicklung. Wir arbeiten mit französischen mittelständischen Unternehmen zusammen, die Zulieferer für die großen Firmen im Nuklearbereich sind. Dabei geht es um Komponenten wie z.B. Ventile, Steuerungen oder Durchflussrohre. Das technologische Know-how der Deloro Group ist in diesem Bereich sehr gefragt.

A. N. : Inwiefern stellen diese Projekte eine Bereicherung für die Unternehmenskultur der beteiligten Firmen dar ?

M. R. : Zunächst erlauben solche Projekte die technologische Weiterentwicklung der Produktpalette. Beide Seiten bekommen auch Zugang zu neuen Zulieferern und Kunden, die auf den jeweiligen nationalen oder anderen internationalen Märkten bekannt sind und der Zugriff auf die am besten geeigneten Partner ist vereinfacht. Außerdem trägt die Zusammenarbeit zu einer kulturellen Öffnung der beteiligten Unternehmen und zu einer stärkeren Integration in den Weltmarkt bei.

Gerade die deutsch-französische Zusammenarbeit ist hier sehr interessant. Die Hochschulausbildung in beiden Ländern besitzt ein sehr gutes Niveau, und die Ausbildung der Ingenieure oder im kaufmännischen Bereich ist vollkommen kompatibel, selbst wenn die Systeme unterschiedlich organisiert sind. Ich würde, ohne zu zögern, einen französischen Mitarbeiter mit Bac + 5 einstellen, denn ich weiß, dass er die notwendigen Kompetenzen besitzt. Das Gleiche gilt auch z.B. für englische Mitarbeiter. Dabei gibt es natürlich Unterschiede in der Herangehensweise. Nach meiner persönlichen Erfahrung zeigt die französische Seite beispielsweise in der Teamarbeit eine höhere Kreativität, während die deutsche Seite eher ziel-oder resultatorientiert ist. Die Zusammenarbeit von beiden stellt also eine Bereicherung dar.

Ich würde, wenn ich die Wahl hätte, immer ein interkulturell besetztes Team bevorzugen, denn nach meiner Erfahrung ist das Resultat höherwertiger, als wenn nur Mitarbeiter einer einzigen Nationalität beteiligt sind. Die geographische Mobilität der Mitarbeiter in einem Unternehmen ist von daher sehr wichtig, wie es ja auch mein persönliches Beispiel zeigt.

A. N. : Wie beurteilen Sie die Entwicklung der französischen Politik seit den letzten Präsidentschaftswahlen, vom Standpunkt eines Unternehmers aus?

M. R. : Frankreich ist eines der wichtigsten Länder der EU, seine wirtschaftliche Entwicklung ist also bestimmend für den ganzen Raum. Man hat den Eindruck, dass der neue französische Präsident, Emmanuel Macron, global denkt. Er hat eine sehr interessante berufliche Erfahrung auf internationaler Ebene.

Der Wille zu Reformen scheint stärker zu sein als bei seinen Vorgängern. Mir hat auch sehr imponiert, dass er vor dem Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos 140 Wirtschaftsführer nach Versailles eingeladen hat, um sie vom Standort Frankreich zu überzeugen (anlässlich des Forums « Choose France » am 22. Januar 2018).

Die Zusammenarbeit mit Angela Merkel scheint sich ebenfalls gut zu entwickeln, und man kann hoffen, dass die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit innerhalb der EU einen neuen Schwung erhält.

A. N. : Zum Abschluss könnten Sie vielleicht noch einige persönliche Ratschläge für unsere ABIBAC-Schüler oder Studenten geben, die sich für eine Karriere in einem internationalen Unternehmen interessieren ?

M. R. : Gute Fremdsprachenkenntnisse sind unentbehrlich, egal auf welcher Ebene man arbeitet. Selbst ein rein ortsansässiger Arzt oder Dienstleister, der nur regional arbeitet, , nimmt an internationalen Kongressen teil oder muss  einschlägige Fachliteratur lesen, die nicht immer in seiner Landessprache zugänglich ist.

Deswegen sollte man auf jeden Fall die angebotenen Austauschprogramme nutzen. Das trägt zu einer frühzeitigen Öffnung auf andere Kulturen und einer Verbesserung der Sprachkenntnisse bei, auf der man später aufbauen kann. Wenn möglich, sollte man ein Auslandsschuljahr einbauen. Ein internationales Abitur wie das ABIBAC ist immer ein Pluspunkt für die persönliche und berufliche Entwicklung, wobei man natürlich auch die Englischkenntnisse nicht vernachlässigen sollte, die inzwischen zum Standard gehören.

Gerade im Bereich der Industrie sind Kenntnisse in mehreren Sprachen ein großer Vorteil, denn dadurch kann man in verschiedenen Standorten eingesetzt werden. Die Beherrschung der jeweiligen Landessprache erleichtert die Beziehungen zu den Mitarbeitern wesentlich. Es gibt ein reichliches Angebot an internationalen Studiengängen, und ich kann nur dazu raten, diese Möglichkeiten zu nutzen. Die heutige Welt lebt von der Zusammenarbeit und dem Verständnis für andere Kulturen.

Coopération franco-allemande et positionnement international dans l’industrie

Résumé de l’entretien réalisé par les élèves de 1ère ABIBAC au Lycée Daudet de Nîmes et leurs correspondants allemands pendant l’échange avec l’Oberrhein-Gymnasium de Weil am Rhein (Février 2018).

Le document présenté est une interview entre Madame Nogarède, membre du réseau Abibac, et M. Rünz, administrateur du Deloro Group.

Le Deloro Group est une entreprise industrielle, dont le siège est situé à Koblenz, et qui, depuis quelques mois, travaille sur un projet de coopération franco-allemande dans le domaine nucléaire.

M. Rünz a expliqué à Mme Nogarède les études qu’il a entreprises, et donc celles qu’il pourrait conseiller à des élèves intéressés par les entreprises internationales, c’est-à-dire deux formations professionnelles parallèles : d’une part comme agent technico-commercial et d’autre part, l’équivalent d’une licence LEA, spécialisée dans l’économie et la gestion. Ces formations durent trois ans, il a ensuite débuté chez Bose, le fabricant d’enceintes et de casques de haute technologie, où il a été chargé des ventes en Asie. Il a également souligné l’importance de l’apprentissage des langues étrangères, ce qui lui a permis d’arriver à un poste plus important et davantage intéressant chez Deloro Group.

Le projet commun entre la France et l’Allemagne s’est mis en place car la France est un pays puissant dans le marché nucléaire et possède les meilleures connaissances technologiques dans ce domaine. De plus, les usines nucléaires françaises vont être rénovées pour fonctionner jusqu’à 60 ans en respectant les normes. Ce plan appelé « Grand Carénage » nécessite des investissements de l’ordre de 55 milliards d’Euros, et cette union ne peut donc qu’être bénéfique. Ce projet consiste donc à travailler avec des entreprises françaises moyennes, qui sont elles-mêmes sous-traitantes pour des grandes firmes dans le domaine nucléaire.

M. Rünz semble être assez enthousiaste quant aux futurs projets politiques de M. Macron, nouveau président français. Celui-ci, d’après M. Rünz, semble penser de façon « globale » et son intention de faire des réformes semble plus exprimée que chez ses prédécesseurs, ce qui est très important pour le développement économique du pays.

Lilas Costa – Vivien Geesel

Eva Cozar Garcia – Louisa Heier

Tiphaine Bastide – Ellen Zumstein

Eva Werner – Desiree Keppler