Entretien avec Volker Albrecht

Professeur de géographie et de didactique à l’université Goethe de Francfort-sur-le-Main, Volker Albrecht dirige depuis 1997 le PEA (Programme d’études en Allemagne) et a grandement contribué à la formation des enseignants d’histoire et de géographie des sections européennes et Abibac.

Entretien mené par Jonathan Gaquère

Revue abibac : Herr Albrecht, zwischen 1975 und 2006 lehrten Sie als Professor für Geographie und Didaktik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Sie haben das PEA-Programm (Programme d’études en Allemagne) geschaffen, um jungen LehrerInnen aus Frankreich eine Weiterbildung im Bereich der bilingualen Unterrichte anzubieten. Wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen der Abibac-Klassen habe ich auch selbst daran teilgenommen. Können Sie uns erzählen, warum und wie dieses Programm entstand? (Statistiken bitte hier angeben)

Volker Albrecht : Das PEA-Programm begann 1997 und entstand aus einer Idee von befreundeten Mitgliedern des Hessischen Kultusministeriums und des Französischen Erziehungsministeriums. Die Grundidee war, neben vielen anderen deutsch-französischen Projekten, der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung eine europäisch-deutsch-französische Ausbildungsperspektive zu eröffnen. Dies besonders für die Fächer Geographie (Erdkunde) und Geschichte, die eine wichtige Aufgabe im Bereich der Politischen Bildung haben. 

Die Implementierung war also eine sogenannte bottom-up Entscheidung, die dann auch offiziell genehmigt wurde, nachdem der DAAD (Deutscher Akademische Austauschdienst) mit ins Boot geholt worden war. Dadurch entstand eine besondere Konstruktion, da der DAAD als Kerngeschäft den Austausch von Studentinnen und Studenten sowie Doktoranden und Postdoktoranden organisiert. Diese Konstruktion ermöglichte es, neben den für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in der 2. Phase zuständigen Studienseminaren die Goethe-Universität verantwortlich zu integrieren mit klaren Aufgabenteilungen, die im Prinzip bis heute angewandt werden: Der DAAD in Paris organisiert mit dem Erziehungsministerium das Ausschreibungsverfahren für die Bewerbungen. Begleitet wird das PEA-Programm in Deutschland von einem oder einer „Attaché, Attachée à la Coopération Universitaire“. Der DAAD prüft gemeinsam mit sehr sprachkundigen Deutschlehrerinnen oder -lehrern das Sprachniveau der Bewerber. Entsprechend dieser Sprachprüfungen, den Zusagen der zuständigen Rectoratsverwaltungen und der Anzahl der vom französischen Staat bezahlten Stipendien werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmt.

Die Aufgabe der Goethe Universität bestand und besteht darin, den allgemeinen organisatorischen und zeitlichen Rahmen in Absprache mit allen am Programm Engagierten abzustimmen, die Unterkünfte zu organisieren und Exkursionen in Frankfurt oder für die Stipendiaten interessante Orte wie Weimar, Mathildenhöhe in Darmstadt oder auch eine Wanderung entlang des Rheintales anzubieten.

Die Goethe Universität hatte und hat außerdem die Aufgabe, fachdidaktische Seminare für Geschichte und Geographie sowie Sprachkurse mit Deutsch als Fremdsprache einzurichten. Das damalige Studienseminar und heutige Amt für Lehrerausbildung waren und sind primär für die Organisation und Integration der Stipendiatinnen und Stipendiaten an ausgewählte Schulen verantwortlich. Für die dreimonatige Betreuung der Prof. Stagiaires in den Schulen durch Mentoren und durch Fachleiter entstand ein erheblicher zeitlicher Organisationsaufwand. Eine ausgewählte Prüfungsstunde musste unter Beisein einer französischen Inspectrice oder eines französischen Inspecteur in deutscher Sprache durchgeführt werden. Sowohl die an den Schulen tätigen Mentoren als auch die Fachleiter des Studienseminars haben Gutachten erstellt, die in die Gesamtbe- wertungen der damaligen französischen Ausbildungsinstitutionen IUFM einflossen. 

Ich habe das Programm nicht initiiert, sondern führe seit 1997 den universitären geographischen Teil durch und habe ab dem Jahre 2000 die Verantwortung für das gesamte PEA-Programm übernommen, an dem bis einschließlich 2020 173 Französinnen und Franzosen teilgenommen haben. Ich schreibe dies so allgemein, da ab 2012 nach den Reformen der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung während der Regierungszeit von Präsident Sarkozy kaum noch Referendare (professeurs stagiaires) nach Frankfurt kamen. Im Zuge dieser Reformen, die die gesamte Ausbildung an die Universitäten verlagerte, wurde das PEA-Programm auf einen Monat verkürzt. Als Konsequenz bewarben sich nur noch voll beamtete professeurs titulaires. Dies bedeutete eine gewisse inhaltliche und organisatorische Neuausrichtung des Programmes. 

Die Anzahl derjenigen, die nach Frankfurt gekommen sind, schwankte zwischen 15 in den Jahren 2004, 2005 und 2006 sowie zwei in den Jahren 2010, 2014 und 2017. Im Jahre 2019 kam nur ein Teilnehmer nach Frankfurt. Auch in den Jahren, in denen die Anzahl sehr gering war, war die allgemeine Überzeugung aller am Programm Beteiligten, dass das Programm weiter durchgeführt werden sollte, da eine Unterbrechung möglicherweise das Aus für das Programm bedeutet hätte.

R. A. : Welche Lehren konnten Sie aus diesem Programm ziehen? 

V. A. : Im Gegensatz zu Beginn des Programmes im Jahre 1997 haben sich die pädagogisch-didaktischen Terminologien und allgemeinen Unterrichtsziele internationalisiert. Trotzdem scheint es noch länderspezifische Unterrichtskulturen zu geben, die in Frankreich durch zentrale Tests bestimmt werden und dadurch weniger freien und offenen Unterricht ermöglichen wie in Deutschland. Während wir in Frankfurt zu Beginn meinten, französischen professeurs stagiaires die „richtige“ Didaktik und Pädagogik zu vermitteln, steht mittlerweile im Mittelpunkt des Programmes ein gegenseitiger Austausch, der verstärkt auch von den französischen Stipendiaten eingefordert wird. So wird von diesen auf die sehr reduzierten schriftlichen Tätigkeiten an den besuchten Schulen hingewiesen, während der engagierte schülerorientierte Unterricht mit lebhafter Beteiligung als Anregung für den Unterricht in Frankreich empfunden wird.

Da die Sprachkenntnisse und auch die allgemeinen Kenntnisse zu Deutschland bei den Stipendiatinnen und Stipendiaten im Laufe der Zeit zugenommen haben, können wir uns in Frankfurt verstärkt auf Aspekte des bilingualen Unterrichts konzentrieren, der vom einsprachigen fremdsprachigen Sachunterricht mehr zu einer auf kulturelle Codes achtende Zweisprachigkeit übergehen sollte.

R. A. : Kennen Sie andere Programme, die LehrerInnen und Lehrern eine ähnliche transnationale Ausbildung anbieten?

V. A. : Ich kenne nur das von Herrn Böing koordinierte Programm zwischen der Bezirksregierung Köln und der Universität Lothringen.

R. A. : Sie sind jetzt 78 und Sie kümmern sich immer noch um dieses PEA-Programm. Ihr Engagement ist wirklich merkwürdig. Warum ist Ihrer Meinung nach dieses Programm so wichtig?

V. A. : Ich hoffe, dass ich Ihren Hinweis auf mein Alter als ein Kompliment ansehen kann. Ich beantworte Ihre Frage dahingehend, dass jedes ähnliche Programm auch zum Beispiel für deutsche und polnische Lehrerinnen und Lehrer auch in Zukunft wichtig sein wird, um Einstellungen und Bewertungen aktueller und historischer Vorgänge mehrperspektivisch beurteilen zu können. Bezogen auf Frankreich bedeutet dies, dass gleiche Strukturen oder Prozesse unterschiedlichen semantischen und klassifikatorischen Kategorien zugeordnet werden können. Falls dies, wie so häufig im Englischen – der lingua franca – erfolgt, wird eine neutrale und keine kultur- und sprachspezifische Verständigungsebene erreicht. Die Lehrerinnen und Lehrer mit der Fächerkombination Histoire/Géo sind ideale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, deshalb ist das sehr sprachenorientierte und unterrichtspraktische Programm wichtig.

R. A. : Sind Sie optimistisch in Bezug auf die Weiterentwicklung dieses Programms ? 

V. A. : Am 11.02.  fand im Büro Paris des DAAD eine Gesprächsrunde zur Situation und zukünftigen Weiterentwicklung des PEA pour professeurs d´histoire et géographie statt unter Teilnehme von Christian Thimme, Direktor des DAAD France, Kilian Quenstedt, chargé du programme PEA, Valérie Lemarquand, attachée universitaire, ambassade de France en Allemagne, Michel Tarpinian, ministère de l`Enseignement Superiéur et de la Recherche, Thilo Karger, Fachleiter Französisch am Studienseminar für Gymnasien in Frankfurt am Main, Zeinabou Bakayoko, stagiaire au DAAD France und mir.

Es wurde beschlossen, so bald wie möglich, das Programm sowohl für professeurs titulaires als auch für professeurs-fonctionnaires-stagiares-étudiants auszuschreiben. Für die erste Gruppe sollte ein Aufenthalt in Frankfurt von einem Monat anvisiert werden, für die letztere Gruppe eine Aufenthaltszeit von zwei bis drei Monaten. Dies würde für Frankfurt neue organisatorische und inhaltliche Herausforderungen bedeuten. Bis zur Installierung dieses neu angedachten Programmes würde ich weiterhin tätig sein.

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